Archiv für den Monat: Dezember 2014

Review der European Outdoor Film Tour 2014

Derzeit tourt die European Outdoor Film Tour 2014 (kurz die E.O.F.T.)durch die Lande. Mit einigen  Freunden und ein paar tausend Outdoor-Begeisterten war ich in der rappelvollen Meistersingerhalle in Nürnberg und habe die diesjährigen 9 Filme angesehen. Welche Filme mich fasziniert und welche mich gelangweilt haben, kann man hier nachlesen.

Willy Bogners Film Fire & Ice war vor mehr als 20 Jahren mein erster Kontakt mit Ski-Filmen. Der Film hat mich damals durch seine spektakulären Stunts und tollen Aufnahmen fasziniert. Heute sind Bilder von Skifahrern auf unberührten Berghängen  oder bei waghalsigsten Sprüngen keine Besonderheit mehr. Durch Werbung und Youtube-Videos kennt heute jeder diese Ästhetik. Daher mochte mich der Film „SHADES OF WINTER – PURE“ (hier der Trailer) von Sandra Lahnsteiner und Mario Feil (Regie) auch nicht richtig beeindrucken. Die 7 Freeskierinnen boten zwar viele tolle Kunststücke in toller Landschaft,  ich hatte nicht das Gefühl etwas Besonderes zu erleben.

Afterglow

Etwas anders war das beim Film „Afterglow“ von Mike Brown und Nick Waggoner (Regie), die Freeskiing in ein ganz neues Licht setzten, zumindest für mich. Für den Film, der fast ausschließlich Nachts gedreht wurde, wurden ganze Bergflanken (hunderte Meter hoch!), Tiefschneehänge und  Wälder illuminiert. Das Spiel von Licht und Dunkelheit ist wirklich eine Augenweide und sehr stimmungsvoll mit spektakulären Zeitlupen fotografiert. Vor allem die Szenen in denen die Hauptdarsteller in Vollkörper-LED-Lichtanzügen in Zeitlupe durch den Tiefschnee pflügen sind sehr nett anzusehen und anzuhören.

Trotzdem bleibt man nach dem Film mit einem Stirnrunzeln zurück, wenn man sich überlegt welcher Aufwand offenbar für diesen Film betrieben wurde. Welchen Sinn macht es ganze Berge mitten in der Wildnis Alaskas zu beleuchten? Keinen, aber es sieht gut aus und fügt sich mit dem Soundtrack zu einer netten Kinosessel-Unterhaltung.

Für den von Philips groß gesponserten Film muss übrigens niemand zur E.O.F.T.  gehen. Den Film gibt es schon seit dem 11. Oktober 2014 bei Vimeo zu sehen:

Don’t look down

Stirnrunzeln oder zumindest Unbehagen, allerdings anderer Art, löste sicher auch der Film „Don’t look down“ von Alex Stockley von Statzer aus. Darin geht es um den Roofer James Kingston und seine waghalsigsten Klettereien auf Kränen, Hochhäusern und Brücken. Im Film trifft der junge Mann aus England in der Ukraine auf den noch einiges verrückteren Roofer „Mustang Wanted“ – bei den Szenen wurde es im Saal lauter.
Solche Videos finde ich zugleich faszinierend und sehr unangenehm. Durch die kleinen Handkameras ist man als Zuschauer immer unmittelbar dabei und befürchtet quasi jeden Moment den Absturz des Filmenden.

El Sendero Luminoso

Ähnlich spektakulär, aber um einiges natürlicher ist die Kulisse  im Film „El Sendero Luminoso„, eine gerade und sehr lange Felswand hinter dem Örtchens El Portrero Chico in Nord-Mexico. Dort gelang Alex Honnold am 15. Januar 2014 die FreeSolo-Begehung der 760 Meter langen Route El Sendero Luminoso, der, wie es so schön im Film heisst, „vielleicht längsten und schwersten Free-Solo-Begehung aller Zeiten“.

Als ich Anfang des Jahres davon hörte und erste Filmausschnitte davon sah, war ich fasziniert und sehr gespannt auf den angekündigten Film. Dieser wurde dann Anfang Februar von einem großen amerikanischen Outdoor-Ausrüster bei Youtube veröffentlicht. Abgesehen davon, dass der Film nur 6:12 Minuten lang ist, gefiel er mir sehr gut. Er dreht sich um eine wunderschöne Felswand und einen sehr coolen Kletterer, eingefangen in spektakulären Aufnahmen – was will man mehr?!

Ich habe gehofft, dass bei E.O.F.T.  eine längere Version von „El Sendero Luminoso“ gezeigt wird. Leider habe ich mich getäuscht. Es war der gleiche, nun schon über 10 Monate alte Film. In Anbetracht dessen, dass Honnold als die Haupt-Werbefigur für die European Outdoor Film Tour 2014 herangezogen wird, fand ich das eine ziemliche Verarschung. Es wird ein falscher Eindruck erweckt und man verlangt Geld für einen Werbefilm der es kostenlos  im Netz steht.

Cave Connection

Der Film „Cave Connection“ von Niko Jäger war vielleicht der faszinierendste Film des Abends. Statt in die Höhe ging es hier in die Enge und kalte Tiefe einer neuseeländischen Höhle. Zusammen mit dem Höhlenforscher Kieran McKay und seinen Gefährten geht es auf die Suche nach einer Verbindung zwischen den zwei Höhlensystemen Stormy Pot und Nettlebed im südlichen Neuseeland.  Man folgt den Abenteurern immer tiefer und durch immer engere Durchgänge in den Berg. Es geht vorbei an tosenden Wasserfällen, glitzernen Stalagtiten und durch zugige Schluchten, immer im engen Lichtkegel der Lampen. Noch Tage später musste ich an den Film denken, vor allem an die Engstellen, durch die sich die Typen gewunden haben. Mindestens seit dem Vorfall in der Riesenbing-Höhle weiss man, dass diese Art von Höhlenforschung mit großen Gefahren verbunden ist. Die Tatsache, dass man dort in der Tiefe komplett auf sich allein gestellt ist, erfordert ein unheimliches Maß an Nervenstärke und Ausdauer. Und das macht es für alle Zuschauer zu einem fesselnden Erlebnis. Hier der Trailer, der leider nicht einbindbar ist.

The Frozen Titans

In „The Frozen Titans“ versucht sich der Eiskletterer Will Gadd an einer wirklich extremen Route in Canada. Bei Minus 30 Grad will er eine extrem überhängende, mit mannshohen Eiszapfen gespickte 140m lange Route erstbegehen. Sie liegt direkt neben einem Wasserfall. Den Film kann man sich ansehen. Hier der Trailer:

Nobody’s River

Der persönlichste Film des Abends war sicher „Nobody’s River von Skip Armstrong. Er handelt von der Kajakwanderung von Amber Valenti, Becca Dennis, Sabra Purdy und Krystle Wright auf dem Amur. Ziel der Frauen ist es, den Amur von seinem mongolischen Oberlauf bis an seine Mündung in den Pazifik zu befahren.

Zwar ist der Film filmerisch nicht der beste, aber er beeindruckt durch viele schönen Aufnahmen und dadurch, dass er sich nicht so ernst nimmt. Es ist eine Geschichte mit viel Herz und daher in jedem Fall sehenswert!
Hier geht es zum Trailer und zur Homepage.

Unterwegs auf dem mongolischen Oberlauf des Amur.

Unterwegs auf dem mongolischen Oberlauf des Amur.

Ferner liefen

Außer diesen Filmen lief noch ein Mountainbike-Film namens „Rad Company„, der den Mountainbiker Brad Smenuk featured. Meine Zusammenfassung: viele tolle Tricks, aber null Geschichte – langweilig.

Der zweite Beitrag von NRS Films bzw. Skip Armstrong auf der Tour ist „Dream“. Ein kurzer Clip mit dem Kajaker Ben Marr und ebenfalss einigen schönen Bilder mit LED-Beleuchtung.

DREAM from NRS Films on Vimeo.

Fazit

Von den insgesamt 9 Filmen der European Outdoor Film Tour 2014  haben mich vor allem „Cave Connection“, „Nobody’s River“ und „Afterglow“ beeindruckt. Aber auch „Frozen Titans“ und „Don’t look down“waren nicht schlecht. Den Rest fand ich persönlich eher langweilig, weil es nichts neues bot. Enttäuscht hat mich „El Sendero Luminoso“, weil es einfach nur der gleich Clip war, den es schon seit 10 Monaten im Netz gibt. Ich finde, wenn man mit so mit Alex Honnold wirbt, dann muss man mehr anbieten als einen 6-minütigen „Werbeclip“.