Cerro Torre – eine kleine Filmkritik

Gestern war ich bei der Preview von Cerro Torre. Wer den Film über die erste frei gekletterte Besteigung des Cerro Torre hier in Nürnberg sehen wollte, der musste erstmal 30-40 Meter hinab unter die Erde, in das IMAX-Kino im Cinecitta. Etwa 150-200 Leute waren hier hingekommen um den Film zu sehen und seine beiden Stars, David Lama und Peter Ortner, zu treffen.

Der Film

Der Film gliedert sich mehr oder weniger in drei Teile: Im ersten Teil geht es erstmal um die Geschichte der Erstbesteiung des Cerro Torre und um den ersten Versuch von Lama im Jahr 2010. Den zweiten und den dritten Teil stellen die darauf folgenden Versuchen in den Jahren 2011 und 2012 dar.

Der Rückblick auf die Geschichte der (angeblichen) Erstbesteigung des Cerro Torre durch den Italiener Cesare Maestri und seinen Kameraden Toni Egger im Jahr 1959, sowie die Wiederholung 1970 durch Maestri mit Kompressor und 350 Bohrhaken, wird bildgewaltig mit altem Filmmaterial und nachgestellten Szenen erzählt. Trotzdem wirkt die Erzählung hier sehr uneinheitlich: Mal spricht unvermittelt eine Erzählerstimme aus dem Off, mal sieht man untertitelte Zeitungsschlagzeilen, mal eine Ausschnitt aus einer Wochenschau. Da fehlte der Erzählfluss.
Trotzdem ist es wichtig, dass dieser Teil, vor allem die Geschichte der umstrittenen Wiederholung der Route durch Maestri, im Film enthalten ist. Denn die Diskussion über die Art und Weise wie ein Berg zu besteigen ist, spielt auch bei den Versuchen von Lama eine große Rolle.

Drei Jahre, drei Versuche

 

Foto: Davide Brighenti
Foto: Davide Brighenti

Nach dem der Vergangenheit Tribut gezollt wurde, widmet sich der Film den drei Versuchen David Lamas ab dem Jahr 2010.  Ab hier werden die Bilder farbig und die Einstellungen wirklich spektakulär. Man merkt schnell, dass die Besteigung von Anfang an ein riesen Filmprojekt mit Hubschraubern, Kameramännern und Regisseur ist, eine riesige Materialschlacht an deren Ende ein Kinofilm stehen soll. Ich finde es gut, dass dieser Zwiespalt auch im Film angesprochen wird.  in einer ähnlich materialintensiven Herangehensweise wie bei Maestri war der Berg auch vom RedBull-Filmteam mit Bohrhaken und Fixseilen versehen worden.
Ist dieses Vorgehen gerechtfertigt? David Lama kam im Film selbst zu dem Schluss, dass das zuviel des Guten gewesen ist.  Man entfernte das Material wieder aus der Wand und entschied sich dazu, dass bei den weiteren Dreharbeiten auch die Filmcrew den Berg auf herkömmliche Weise zu besteigen hatte.
Für die Zuschauer ist das nicht von Nachteil, denn bei dritten, erfolgreichen Anlauf erzählt ein zweiter Handlungsstrang den Aufstieg des Kamerateams. Das ist spannend – auf der einen Seite geht es ums Freiklettern auf der anderen ums Mixed- und Eisklettern.

Längen

Was die Spannung leider reduzierte war die Langatmigkeit des Films zwischen dem zweiten und dritten Gipfelversuch. Als Lama und Ortner nach dem erfolglosen Ende des zweiten Freikletterversuchs  den Torre technisch besteigen, da dachte mancher im Kino schon, dass der Film nun vorbei ist. Fehlte leider nur noch die entscheidende Freikletterei.

Schön ist…

Genug der Meckerei. Abgesehen von den Längen hat mir der Film gut gefallen. Mit den verschiedenen Helmkameras der Protagonisten, dem Ton der Kletterer und den Perspektiven aus dem Hubschrauber ist man ganz nahe dran an den Kletterern. Die Kletterei von David Lama wirkt so sehr beeindruckend, was sie zweifelsohne auch wirklich ist. Auch wenn man, wie ich, noch nie alpin geklettert ist, bekommt  man einen guten  Eindruck davon, wie es ist so einen Berg zu erklimmen.
Dazu sind einige der Aufnahmen wirklich grandios: Als das Kamerateam um Markus Pucher am Vorabend des Gipfelversuchs mit den letzten Sonnenstrahlen auf dem Gipfel ankommt, da sind die Eispilze in feuerrotes  Licht getaucht und bis zum Horizont ersteckt sich ein kaltblaues Nebelmeer (Bilder, hier). Das war für mich die schönste Einstellung im Film (so ein Licht möchte ich auch mal erleben).

Übrigens

  • Der Bergführer Markus Pucher führte nicht nur das Kamerateam über die Westseite des Torre auf den Gipfel. Wie man bei Wikipedia nachlesen kann gelang ihm im Januar 2013 auch die erste Free Solo Begehung  des Torre (Eis- oder Mixedstil, glaub ich).
  • Einer der großen Kritiker von David Lamas  erstem Versuch war Reinhold Messner. Im Film ertönt einmal seine vorwurfsvolle Stimme aus dem Off und wirft Lama vor sich von seinem Sponsor benutzen zu lassen. Lama sieht das anders. Nach der Filmvorstellung erwähnt er, dass er auf die Reaktion Messners auf den Film gespannt ist. Offenbar kommt Messner am Montag den 10.03. zur Preview nach München. Würde mich ja auch interessieren was der dazu sagt.
  • Der Trailer zum Film: Cerro Torre – Nicht der Hauch einer Chance

 

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