Klettertour für 2016: Zwerchenanni (6)

Heute habe ich über Facebook einen sehr interessanten Routentipp für das neue Jahr bekommen. Er stammt von Martin Feistl vom Kletterblog Climbim und es handelt sich dabei um eine von seiner Familie eingebohrte  Route an der Zwerchwand im Tannheimer Tal.

In 2014 bin ich an der Zwerchwand die „Till-Ann“ gegangen. Die neue Route mit dem Namen „Zwerchen-Anni“ liegt rechts davon, zwischen „Till-Ann“ und „Zwerchenweg“. Sie ist 210m hoch, hat 6 Seillängen und die Schwierigkeit wird mit 6, E2 angegeben. Weitere Details und einen detaillierten Topo kann man auf der Seite von Martin Feistl finden.

Kommt auf meine Liste für 2016.

Schottersmühler Wand, Frankenjura.

Angeklettert: Schottersmühler Wand

Die schönsten Klettertage des Jahres beschert einem oft der Herbst. Kurz vor Ende der Klettersaison zeigt sich die Natur in bunten Farben  und viele Felsen im Frankenjura bekommen mehr Licht als im Hochsommer. Bei solchen Wetteraussichten zog es uns am vergangenen Sonntag ins Wiesenttal an die Schottersmühler Wand.

Eigentlich wollten wir die Kletterrei an der etwas oberhalb gelegenen Jubiläumswand starten, doch der Fels stellte sich als pitschnaß heraus. Auch die nächste Wand auf unserer Liste, die Wolkensteiner Wand, war leider triefend nass. Daher entschieden wir uns für die Schottersmühler Wand, die auf der gegenüberliegenden Talseite schön in der Sonne trocknete.

Aber Feuchtigkeit ist so eine Sache beim Klettern. Wenn Fels 1 und Fels 2 schon nass sind, dann sollte man auch die Möglichkeit bei Fels 3 in Betracht ziehen. So stellte sich auch die nächste Wand, bei näherer Betrachtung, als ziemlich feucht heraus. Doch zum Glück nicht in überall. Die rechte, sonnige Seite war fast trocken, sodass wir dort mit dem Vergessenen Weg (6-) loslegen konnten. Nach der ganzen Wanderei waren wir froh, dass es los ging.

Mein Highlight des Tages war die nächste Route mit dem Namen „Der Ernst des Lebens“ (6+). Sie befindet sich im Mittelteil der Wand. Trotz feuchtem und schwierigem Start konnte ich die Route in einem durchklettern und war am Umlenker ziemlich glücklich, dass das geklappt hat.

Danach haben Frédéric und ich uns noch an einer 7er-Route im linken Wandteil versucht. Aus Mangel an trockenen Alternativen und natürlich weil’s eine gute Herausforderung ist, haben wir die „Geier Sturzflug (7)“ gewählt. Den schönen, kleingriffigen Mittelteil, konnten wir beide relativ problemlos überwinden. Beim folgenden Dach trennte sich dann aber die Spreu vom Weizen. Ich konnte es trotz X Versuchen nicht überwinden, Frédéric schaffte es völlig ausgepumpt bis zum Umlenker. Diese Route und auch die anderen unversuchten 7er sind definitiv ein Grund um die Schottersmühler Wand wieder zu besuchen.

Leider kam die Dämmerung gestern viel zu schnell und wir machten uns beim aufziehenden Bodennebel auf dem Rückweg. Obwohl es jetzt schon fast Mitte November ist, hoffe ich, dass sich dieses Jahr noch weitere Gelegenheiten zum Klettern in der Fränkischen bieten.

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Angeklettert: Schlaraffenland – Schmidbergwand und Rabensteiner Turm

Unser gestriges Kletterziel war das Schlaraffenland im Hirschbachtal. Bei schönstem Wetter und angenehm kühlen Temperaturen waren wir früh vor Ort in Hirschbach und machten uns auf die Suche nach den Felsen.

Das Felsmassiv zu finden war kein Problem, denn es zieht sich auf beträchtlicher Länge im Wald entlang. Mit insgesamt 6 Sektoren ist es eines der größeren Massive in der Fränkischen Schweiz. Zum Klettern hatten wir uns die Schmidbergwand und den Rabensteiner Turm vorgenommen, welche wir ziemlich dunkel gelegen vorfanden. Kein Wunder, denn die Wände liegen allesamt nordseitig und im Wald.

Schmidbergwand

An der Schmidbergwand wurde zuerst geklettert. Nach den Aufwärmrouten Hüttensteig (5-) und Brellder Fruusch (6), widmeten wir uns den 7ern. Zuerst ging es in den Jürgen Wellenkamp Gedenkweg (7-). Eine leicht überhängende Verschneidung mit einem Abschlussdach, das mich beeindruckte. Die Kletterei war nicht zu schwer, aber die Verschneidung bot mehrere, technisch herausfordernde Stellen. Danach kam man ausgepumt unters Dach und musste erstmal pausieren, bevor man sich über den Überhang schwingen konnte. Die Route hat mir gut gefallen.
Danach gingen wir noch der Stinker (7) und der Jungmannenweg (7).  Letzterer war ebenfalls eine leicht überhängende Verschneidung.  Zur technischen Schwierigkeit des Verschneidungskletterns musste man sich hier auch noch mit einem ziemlich schmerzhaften Fingerriss arrangieren. Au yeah, doch es ist eine prima Route.

Die Schmidbergwand hat mir gut gefallen. Ungleich vieler anderer Felsen, an denen ich bisher geklettert bin, begegnet man hier, wegen der vielen schweren Routen. auch richtig guten Kletterern die einen 9er machen. Das finde ich sehr inspirierend und allemal interessant zum Zuschauen.

Rabensteiner Turm

Am Nachmittag ging es noch in den benachbarten Sektor Rabensteiner Turm, denn an der Schmidbergwand war mittlerweile ziemlich viel los. Etwa 100m weiter standen wir alleine vor einem 10m langen Schuppenriss im linken Wandteil, der den Anfang von 3 Routen im siebten Grad bildete. Sieht toll aus und fühlt sich noch besser an! Von den 3 Routen wählte ich die Rosa Zeiten (7) und kämpfte mich nach den Anfangsmetern mit kleinen Löchern und Leisten sowie anspruchsvollen Fußplatzierungen nach oben. Eine super Kletterei, denn die Route forderte alle meine Fähigkeiten und Kräfte. Ich muss unbedingt nochmal herkommen, die Route durchsteigen und die anderen beiden 7er probieren.

Der Vollständigkeit halber und weil der Tag irgendwie im Zeichen von Rissen und Verschneidungen stand, sei auch der Nordriss bzw Rabensteinerriss (6) erwähnt, den wir zwischendurch geklettert sind. Die Schwierigkeit kommt hier gleich zu Beginn, wo es gilt einen hoch und schlecht erreichbaren 1. Haken zu klippen. Ein mittlerer Friend ist da nützlich.

Der Ausflug in die Hersbrucker Schweiz hat sich bisher immer gelohnt und das Schlaraffenland ist da keine Ausnahme. Beide Sektoren Schmidbergwand und Rabensteiner Turm haben wirklich Spaß gemacht und deswegen werde ich sicher wiederkommen. Vermutlich eher früher als später.

In Erinnerung an Dean Potter

„Dean-Potter“ von Filmfest St. Anton – http://filmfeststanton.twoday.net/stories/5987301/. CC BY 3.0 über Wikimedia Commons

Dean Potter starb am 16. Mai 2015 durch einen Unfall bei einem Base Jump im Yosemite Park. Die Meldung, die ich heute entdeckte hat mich traurig gemacht. Gleichzeitig musste ich aber sofort an die unglaublich Aktionen denken, die ich in Videos gesehen und über die ich gelesen habe. Sie waren unglaublich faszinierend und inspirierend, denn in seinen gewagten Free Solo Begehungen, Base Jumps oder Highlines, zeigte Dean Potter eine Lebenseinstellung von unglaublicher Intensität.

Obwohl ich nicht viel über ihn weiss und gerade erst die wichtigsten Dinge lese und sehe, möchte ich Dean Potter ehren indem ich ein paar Videos und Aktionen von ihm vorstelle, die mich fasziniert haben.

Erster Eindruck

Auf Dean Potter wurde ich zum ersten Mal durch den Film „Am Limit“ über die Huber Brüder aufmerksam. Obwohl er da nur kurz im Film zu sehen ist, faszinierte mich sein Auftritt. Die Hubers standen auf dem Gipfel des El Capitan und plötzlich kam Dean Potter zu Besuch. Er stieg entspannt aus einem riesigen und tiefen Riss aus, den er zuvor hochgeklettert sein musste. Free Solo, das war sehr cool und machte mich neugierig mehr über die Person zu erfahren.

Free Solo

Im ungesicherten Alleingang hat Dean Potter viele Routen im Yosemite Valley oder auch in Patagonien bezwungen. Sein Durchstieg von Seperate Reality 5.12 ist sicher nicht seine berühmteste Free-Solo-Begehung, aber mir gefällt das Video und die Musik.

Highlines

Unglaublich schön „Moonwalk“, das Video einer Highline im Cathedral Park vor einem riesigen aufgehenden Vollmond.

Moonwalk from Reel Water Productions on Vimeo.

Am meisten hat Dean Potters Free Solo-Highline am Taft Point beeindruckt, deren Begehung in einem Dokumentarfilm über Dean Potter ausführlich geschildert wird. Leider fällt mir der Name gerade nicht ein, bei Youtube findet man es unter „Dean Potter Documentary“ in schlechter Qualität.

Free Base

Free Base ist die Mischung von Free Solo-Klettern und Base Jumping. Dean Potter hat sie sich ausgedacht. Im Artikel „Life at the Edge of Realization“ im Rock & Ice Magazine beschreibt Dean Potter wie er dazu gekommen ist und wie er so die Route Alien Roof am Rostrum (Yosemite Valley) geklettert ist.
In diesem kurzen Video kann man einen Eindruck davon gewinnen:

Base Jumping

Als Kletterer und vor allem als Free-Solo-Kletterer hatte Dean Potter immer Angst vor dem Loslassen und Fallen. Doch gleichzeitig übte dies seit frühester Kindheit auch eine große Faszination auf ihn aus. Irgendwann, nämlich nach einer Besteigung des Cerro Torre, bei der er sich beim Abstieg verletzte,  zog er Base Jumping als sicherere Abstiegsmethode in Erwägung. Nach dem Fallschirmsprung-unterricht kam Base-Jumping und irgendwann dann Base-Jumping mit seinem Hund Wisper:

When Dogs Fly: World’s First Wingsuit BASE Jumping Dog from Dean S. Potter on Vimeo.

Rest in Peace, Dean Potter.

Kletterurlaub in El Chorro – Countdown zum Abflug

24242424Die Vorfreude steigt, denn in ein paar Tagen beginnt mein erster großer Kletterurlaub in 2015. Es geht für 7 Tage nach El Chorro in Spanien. So wie es aussieht erwarten mich da frühlingshafte Temperaturen, viel Sonne und ein riesiges und vielseitiges Klettergebiet.

Doch warum eigentlich nach El Chorro und was erwartet einen da?

Auf nach Andalusien

El Chorro
Das Massiv von El Chorro aus der Ferne.

Spanien gehört mit Italien und der Türkei wahrscheinlich zu den beliebtesten Kletterzielen im Winter. El Chorro in Andalusien ist dabei in Deutschland besonders beliebt, denn es ist günstig zu erreichen. Wenn man den Flug nach Malaga rechtzeitig im Voraus bucht, dann liegen die Reisekosten zwischen € 100 und € 200. Von Malaga aus liegt El Chorro etwa 50 km entfernt im Landesinneren. Es ist per Zug oder mit dem Mietwagen gut zu errreichen. Vor Ort hat man dann verschiedenste Möglichkeiten unter zu kommen: Camping, Fincas, Apartments, Ferienhäuser stehen zur Auswahl.

Escalada!

In den 1980er Jahren war El Chorro eines der ersten Sportklettergebiete in Spanien, die entstanden. Entsprechend gut entwickelt ist das Gebiet heute.  Man findet dort sehr vielfältige Möglichkeiten zum Klettern: Eine sehr hohe Zahl von Sportkletterrouten, gut abgesichterte Mehrseillängentouren und Trad-Routen – im Kletterführer habe ich alles entdeckt.

Für die nächste Woche ist erstmal Sportklettern geplant. Ich geht zuerst in die Sektoren mit den einfacheren Routen. Doch auch die sind meist im 6. und 7. Grad.  Mal sehen wie die Routen dort bewertet sind. Wenn möglich wollen wir dann auch einfachere Mehrseillängenrouten gehen. Amptrax im gleichnamigen Sektor von Frontales wäre das große Ziel. Mal sehen ob das klappt.

Kletterführer für El Chorro

Apropos Kletterführer: Nach meiner Recherche gibt es 2 Kletterführer, die sich ausschließlich El Chorro widmen und einen weiteres Buch mit einem Kapitel zu dem Gebiet. Leider sind alle drei Bücher  nicht mehr so wirklich aktuell.

  • El Chorro (Autor: Mark Glaister)
    Ein englischer Kletterführer von Rockfax von 2008. Das Buch hat eine deutsche Einleitung, qualitativ hochwertige Fotos von allen Sektoren und sieht robust aus. Ich habe es mir für die Reise zugelegt.
  • Escalada en Malaga – El Chorro (Autor: Javier Romero Rubiols)
    Der lokale Führer, der wohl nur im Klettershop in El Chorro erhältlich ist. Das Buch hat spanische und englische Erklärungen und beschreibt auch einige längere und ernstere Routen, die nicht im Rochfax-Buch enthalten sind. Die Qualität der Bindung und des Drucks ist leider nicht so gut.
  • Roca Espana – Band Süd (Autoren: Katja & Stefan Wagenhals)
    Ein Kletterführer für das gesamte Südspanien. Das Buch von 2006 aus dem Verlag Loboedition kenne selbst noch nicht. Hier findet man eine Rezension.
  • Tipp: Topos zum Runterladen
    Auf der Seite der Climbing Lodge gibt es außerdem eine stattliche Anzahl von Topos von El Chorro zum Download sowie weitere Literaturtipps.

Mehr Infos zum Klettern in El Chorro bieten außerdem diese Berichte und Blog-Beiträge:

 

 

 

Die großen Nordwände in „Bergwelten“

Die Sendung „Bergwelten“ in ServusTV widmen derzeit eine ganze Serie den großen Nordwänden der Alpen. Höchste Zeit in einem kleinen Beitrag die interessanten Episoden vorzustellen.

Das faszinierende an „Die großen Nordwände“ ist der Blick auf Vergangenheit und Gegenwart. Es werden sowohl die Geschichten der berühmten Erstbesteigungsversuche erzählt, mit ihrem oft tragischen Ausgang,  als auch neue Besteigungen mit heute bekannten Bergsteigern begleitet. Das ist sehr interessant gemacht. Daneben beziehungsweise davor, sind natürlich die Berge selbst die absoluten Hingucker.

Wenn ich mich nicht sehr täusche, dann sind alle bisherigen Folgen als Stream auf ServusTV zu sehen:

Eiger

„Eiger 2415“ von Dirk Beyer - Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons - http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Eiger_2415.jpg#mediaviewer/File:Eiger_2415.jpg
„Eiger 2415“ von Dirk Beyer – Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons.

Am Eiger wird die erste freie Begehung der John-Harlin-Direttissima durch Robert Jasper und Roger Schaeli gezeigt. Daneben geht es um die berühmt berüchtigte Geschichte der Route und um die Geschichten zur Erstdurchsteigung.
Hier geht es zur Episode.

Grandes Jorasses

„GrandesJorasses“. Lizenziert unter CC BY 2.5 über Wikimedia Commons.
„GrandesJorasses“. Lizenziert unter CC BY 2.5 über Wikimedia Commons.

An der abgelegenen Grandes-Jorasses-Nordwand klettert Robert Steiner den Durchstieg bei dem er 1997 fast umgekommen wäre. Die 1200 Meter hohe Wand sorgte aber schon viel früher für dramatische Geschichten.
Hier geht es zur Episode.

Drei Zinnen

„Westliche Zinne Nordwand Dach“ von Svíčková - Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons.
„Westliche Zinne Nordwand Dach“ von Svíčková – Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons.

Wer Alex Hubers Free-Solo-Begehung der „Direttissima“ in der Nordwand der Großen Zinne noch nicht kennt, der darf sich diese Folge nicht entgehen lassen. Auch seine Erstbegehung von „PanAroma“ (XI-, IX A3), Thomas Bubendorfers dortige Free-Solo-Begehungen und die Erstbegehung der „Hasse-Brandler“ werden gestreift. Die tollen Aufnahmen und die spektakulären Tiefblicke sollte man sich nicht entgehen lassen.
Hier geht es zur Episode.

Piz Badile

„Badile“ von Mg-k - M. Klüber Fotografie. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons.
„Badile“ von Mg-k – M. Klüber Fotografie. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons.

Hans-Jörg Auer ist an der Badile-Nordwand auf den Spuren von Hermann Buhl unterwegs.
Hier geht es zur Episode.

Petit Dru

„Drus-2006“ von Original uploader was Eltouristo at fr.wikipedia - Originally from fr.wikipedia; description page is/was here.. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons - http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Drus-2006.jpg#mediaviewer/File:Drus-2006.jpg
„Drus-2006“ von Original uploader was Eltouristo at fr.wikipedia.

An der Petit Dru werden die Bergsteiger Andy Parkin und Steve House durch die Nordwand begleitet. Beide haben schon sehr schmerzhafte Erfahrungen mit dem Berg gehabt..
Hier geht es zur  Episode.

Erstbegehung der Dawn Wall: Finale im Live-Stream

Seit Tagen, ja schon seit Wochen verfolgt die internationale Kletter-Community gebannt den Erstbegehungsversuch der Dawn Wall am El Capitan durch Tommy Caldwell und Kevin Jorgeson. Die Route „The Dawn Wall“ gilt als die schwerste Mehrseillängen-Route der Welt und sie ist bisher noch unbezwungen.

Am 27. Dezember 2014 ist Tommy Caldwell zusammen mit Kevin Jorgeson in die von ihm selbst eingerichtete Route eingestiegen um sie nun endlich nach unzähligen erfolglosen Versuchen zu bezwingen. Nach dem er beim letzten Versuch bewiesen hatte, dass alle Seillängen frei kletterbar sind,  besteht nun die Herausforderung  darin, dies in einem einzigen kontinuierlichen Aufstieg zu schaffen!

Seit über 2 Wochen mühen sich die beiden Kletterer nun schon nach oben, kommen ihrem Ziel immer näher. Wie bei keinem Event der Freikletterei zuvor wird ihr Fortschritt in aller Welt mitverfolgt. Das Rock and Ice-Magazin bringt tägliche Video-Updates von Kevin Jorgeson und ein Kamerateam in der Wand hält die Aktion auf Film fest. Auch aus dem Tal des Yosemite sind viele Kameras und Augen auf die Wand gerichtet.

Sehr spannend ist zum Beispiel der Bericht von Tom Evans über den entscheidenden Durchbruch, als Kevin Jorgeson nach unzähligen Versuchen die unglaublich schwere 15. Seillänge endlich rotpunkten konnte.

Wie es aussieht stehen Tommy und Kevin nun kurz vor der historischen Vollendung und deswegen läuft zur Feier des Tages ein Live-Stream auf der Seite von Rock and Ice. Hier geht es zum Live-Stream. Viel Spaß damit!

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Screenshot vom Live-Stream des Rock and Ice Magazine.

UPDATE: Bei NBC gibt es auch einen Stream in besserer Qualität. Sogar das Fernsehen berichtet groß über das Event:

PS: Ein kleines Schmankerl für alle die sich die Route genauer ansehen wollen: Die New York Times hat ein interaktives Special mit einigen Bildern und vor allem dem Routenverlauf online.

Screenshot vom interaktiven Special der New York Times.
Screenshot vom interaktiven Special der New York Times.

Review der European Outdoor Film Tour 2014

Derzeit tourt die European Outdoor Film Tour 2014 (kurz die E.O.F.T.)durch die Lande. Mit einigen  Freunden und ein paar tausend Outdoor-Begeisterten war ich in der rappelvollen Meistersingerhalle in Nürnberg und habe die diesjährigen 9 Filme angesehen. Welche Filme mich fasziniert und welche mich gelangweilt haben, kann man hier nachlesen.

Willy Bogners Film Fire & Ice war vor mehr als 20 Jahren mein erster Kontakt mit Ski-Filmen. Der Film hat mich damals durch seine spektakulären Stunts und tollen Aufnahmen fasziniert. Heute sind Bilder von Skifahrern auf unberührten Berghängen  oder bei waghalsigsten Sprüngen keine Besonderheit mehr. Durch Werbung und Youtube-Videos kennt heute jeder diese Ästhetik. Daher mochte mich der Film „SHADES OF WINTER – PURE“ (hier der Trailer) von Sandra Lahnsteiner und Mario Feil (Regie) auch nicht richtig beeindrucken. Die 7 Freeskierinnen boten zwar viele tolle Kunststücke in toller Landschaft,  ich hatte nicht das Gefühl etwas Besonderes zu erleben.

Afterglow

Etwas anders war das beim Film „Afterglow“ von Mike Brown und Nick Waggoner (Regie), die Freeskiing in ein ganz neues Licht setzten, zumindest für mich. Für den Film, der fast ausschließlich Nachts gedreht wurde, wurden ganze Bergflanken (hunderte Meter hoch!), Tiefschneehänge und  Wälder illuminiert. Das Spiel von Licht und Dunkelheit ist wirklich eine Augenweide und sehr stimmungsvoll mit spektakulären Zeitlupen fotografiert. Vor allem die Szenen in denen die Hauptdarsteller in Vollkörper-LED-Lichtanzügen in Zeitlupe durch den Tiefschnee pflügen sind sehr nett anzusehen und anzuhören.

Trotzdem bleibt man nach dem Film mit einem Stirnrunzeln zurück, wenn man sich überlegt welcher Aufwand offenbar für diesen Film betrieben wurde. Welchen Sinn macht es ganze Berge mitten in der Wildnis Alaskas zu beleuchten? Keinen, aber es sieht gut aus und fügt sich mit dem Soundtrack zu einer netten Kinosessel-Unterhaltung.

Für den von Philips groß gesponserten Film muss übrigens niemand zur E.O.F.T.  gehen. Den Film gibt es schon seit dem 11. Oktober 2014 bei Vimeo zu sehen:

Don’t look down

Stirnrunzeln oder zumindest Unbehagen, allerdings anderer Art, löste sicher auch der Film „Don’t look down“ von Alex Stockley von Statzer aus. Darin geht es um den Roofer James Kingston und seine waghalsigsten Klettereien auf Kränen, Hochhäusern und Brücken. Im Film trifft der junge Mann aus England in der Ukraine auf den noch einiges verrückteren Roofer „Mustang Wanted“ – bei den Szenen wurde es im Saal lauter.
Solche Videos finde ich zugleich faszinierend und sehr unangenehm. Durch die kleinen Handkameras ist man als Zuschauer immer unmittelbar dabei und befürchtet quasi jeden Moment den Absturz des Filmenden.

El Sendero Luminoso

Ähnlich spektakulär, aber um einiges natürlicher ist die Kulisse  im Film „El Sendero Luminoso„, eine gerade und sehr lange Felswand hinter dem Örtchens El Portrero Chico in Nord-Mexico. Dort gelang Alex Honnold am 15. Januar 2014 die FreeSolo-Begehung der 760 Meter langen Route El Sendero Luminoso, der, wie es so schön im Film heisst, „vielleicht längsten und schwersten Free-Solo-Begehung aller Zeiten“.

Als ich Anfang des Jahres davon hörte und erste Filmausschnitte davon sah, war ich fasziniert und sehr gespannt auf den angekündigten Film. Dieser wurde dann Anfang Februar von einem großen amerikanischen Outdoor-Ausrüster bei Youtube veröffentlicht. Abgesehen davon, dass der Film nur 6:12 Minuten lang ist, gefiel er mir sehr gut. Er dreht sich um eine wunderschöne Felswand und einen sehr coolen Kletterer, eingefangen in spektakulären Aufnahmen – was will man mehr?!

Ich habe gehofft, dass bei E.O.F.T.  eine längere Version von „El Sendero Luminoso“ gezeigt wird. Leider habe ich mich getäuscht. Es war der gleiche, nun schon über 10 Monate alte Film. In Anbetracht dessen, dass Honnold als die Haupt-Werbefigur für die European Outdoor Film Tour 2014 herangezogen wird, fand ich das eine ziemliche Verarschung. Es wird ein falscher Eindruck erweckt und man verlangt Geld für einen Werbefilm der es kostenlos  im Netz steht.

Cave Connection

Der Film „Cave Connection“ von Niko Jäger war vielleicht der faszinierendste Film des Abends. Statt in die Höhe ging es hier in die Enge und kalte Tiefe einer neuseeländischen Höhle. Zusammen mit dem Höhlenforscher Kieran McKay und seinen Gefährten geht es auf die Suche nach einer Verbindung zwischen den zwei Höhlensystemen Stormy Pot und Nettlebed im südlichen Neuseeland.  Man folgt den Abenteurern immer tiefer und durch immer engere Durchgänge in den Berg. Es geht vorbei an tosenden Wasserfällen, glitzernen Stalagtiten und durch zugige Schluchten, immer im engen Lichtkegel der Lampen. Noch Tage später musste ich an den Film denken, vor allem an die Engstellen, durch die sich die Typen gewunden haben. Mindestens seit dem Vorfall in der Riesenbing-Höhle weiss man, dass diese Art von Höhlenforschung mit großen Gefahren verbunden ist. Die Tatsache, dass man dort in der Tiefe komplett auf sich allein gestellt ist, erfordert ein unheimliches Maß an Nervenstärke und Ausdauer. Und das macht es für alle Zuschauer zu einem fesselnden Erlebnis. Hier der Trailer, der leider nicht einbindbar ist.

The Frozen Titans

In „The Frozen Titans“ versucht sich der Eiskletterer Will Gadd an einer wirklich extremen Route in Canada. Bei Minus 30 Grad will er eine extrem überhängende, mit mannshohen Eiszapfen gespickte 140m lange Route erstbegehen. Sie liegt direkt neben einem Wasserfall. Den Film kann man sich ansehen. Hier der Trailer:

Nobody’s River

Der persönlichste Film des Abends war sicher „Nobody’s River von Skip Armstrong. Er handelt von der Kajakwanderung von Amber Valenti, Becca Dennis, Sabra Purdy und Krystle Wright auf dem Amur. Ziel der Frauen ist es, den Amur von seinem mongolischen Oberlauf bis an seine Mündung in den Pazifik zu befahren.

Zwar ist der Film filmerisch nicht der beste, aber er beeindruckt durch viele schönen Aufnahmen und dadurch, dass er sich nicht so ernst nimmt. Es ist eine Geschichte mit viel Herz und daher in jedem Fall sehenswert!
Hier geht es zum Trailer und zur Homepage.

Unterwegs auf dem mongolischen Oberlauf des Amur.

Unterwegs auf dem mongolischen Oberlauf des Amur.

Ferner liefen

Außer diesen Filmen lief noch ein Mountainbike-Film namens „Rad Company„, der den Mountainbiker Brad Smenuk featured. Meine Zusammenfassung: viele tolle Tricks, aber null Geschichte – langweilig.

Der zweite Beitrag von NRS Films bzw. Skip Armstrong auf der Tour ist „Dream“. Ein kurzer Clip mit dem Kajaker Ben Marr und ebenfalss einigen schönen Bilder mit LED-Beleuchtung.

DREAM from NRS Films on Vimeo.

Fazit

Von den insgesamt 9 Filmen der European Outdoor Film Tour 2014  haben mich vor allem „Cave Connection“, „Nobody’s River“ und „Afterglow“ beeindruckt. Aber auch „Frozen Titans“ und „Don’t look down“waren nicht schlecht. Den Rest fand ich persönlich eher langweilig, weil es nichts neues bot. Enttäuscht hat mich „El Sendero Luminoso“, weil es einfach nur der gleich Clip war, den es schon seit 10 Monaten im Netz gibt. Ich finde, wenn man mit so mit Alex Honnold wirbt, dann muss man mehr anbieten als einen 6-minütigen „Werbeclip“.

Mit Project360 auf den Eiger

Wie es ist den Eiger über die Nordwand zu besteigen, das konnte man bisher nachlesen, im Film ansehen oder eben selbst erfahren. Mit dem Project360 gibt es nun eine weitere Möglichkeit – die virtuelle Besteigung.

Das Projekt von Mammut überträgt die Produktionsweise von Googles Street View auf das Bergsteigen: Mithilfe von 360°-Kameras können wir bei Dani Arnold und Stephan Siegrist bei der Besteigung über die Schultern schauen.

Foto: Mammut.ch
Foto: Mammut.ch

Mir gefällt wirklich gut, wie interaktiv die Seite angelegt ist. Man kann einerseits zu verschiedenen Abschnitten der Tour springen. Andereseits gibt es zusätzliche Informationen in Video (O-Töne von Arnold und Siegrist), Bildern und Texten (Geschichte der Besteigung). Dazu kommen Infos über das Projekt selbst.

Obwohl die virtuelle Besteigung eher unschwer ist, kann man so doch einige Zeit „am Berg“ verbringen, denn die Aussichten und Tiefblicke sind wirklich faszinierend.

Zimmerbergwände, Pegnitztal

Das Pegnitztal und die umliegenden Hügel sind voll lohnender Kletterziele. In meinem Kletterführer sind einige  der dortigen Felsen zur Erkundung markiert. An diesem Samstag waren die Zimmerbergwände dran. Weil mir die Routen gut gefallen haben und weil es noch so viele interessante gibt, war ich nicht zum letzten Mal hier.

Die Zimmerbergwände erreicht man am besten vom Ort Engenthal im Pegnitztal aus. Gleich am Ortseingang an der Brücke biegt man rechts ab uns fährt etwa 1,6 km in den Wald. Dann zweigt rechts ein Waldweg ab neben dem sich nach 20m der Parkplatz befindet, auf der linken Seite sieht man schon die Wände.

Uns zog es zuerst an die ganz nördlich gelegenen Wände. Dazu ging es auf einem kleinen Trampelpfad ca. 150m links um den Berg. Diese Seite liegt sehr schattig da , aber es hat hier auch die leichteren Routen. Dagegen liegen die 2 anderen Sektoren  mehr in nordwestlicher Richtung und aufgrund der ausgedünnten Bewaldung ist es hier wesentlich heller.

Trotz des Laubdachs machte das Klettern in Sektor 1 viel Spaß. Mich lockten die vielen gut gesicherten Routen im 6. und 7. Grad . Natürlich waren es zu viele für einen Tag.
Wir haben mit  ein paar abwechslungsreichen 5ern angefangen und uns dann den schwereren Routen gewidmet. Gut gefallen haben mir hier die Routen „Armin Weich Gedenk-Weg“ (5) und „Gemeinsam „(6+).  Mit dem Abschluss der „Freundschaft“ (7-) werd ich mich nochmal auseinandersetzen.
Zum Abschluss war ich noch kurz an den westlicheren Sektoren 2+3, denn hier war es sonnig. Im imposanten linken Teil ging es den abwechslungsreichen „Hersbrucker Weg“ (7) hinauf. Etwas k.o. hab ich oben erstmal die Aussicht genoßen und fotografiert, bevor es danach wieder nach Hause ging.

Was gibt es noch zu sagen? Den Fels fand ich insgesamt gut und meist schön löchrig. Mitten im Konrad Oed Ged.-Weg schaute mir ein Siebenschläfer entspannt aus einem der Löcher beim Klettern zu.

Weil es hier noch viele 6er und 7er-Routen zu entdecken bzw. durchzusteigen gilt, bin ich wie schon gesagt, sicher nicht zum letzten Mal dort gewesen.

Kletterliste
Route ohne Namen, 5+
Konrad Oed Ged.-Weg, 5
Armin Weich Ged.-Weg, 5 (abwechslungsreich, schöne Schuppe vor dem Wulst)
Sachsenpfeiler, 6+ (am Anfang schwer)
Höhlenrisse, 5+ (schöner Riss)
Gemeinsam, 6+ (lecker)
Freundschaft, 7- (am Ende schwer, nochmal ran)
Hersbrucker Weg, 7 (wirklich schwerer Anfang)